Warten auf die Vergangenheit

1959 von Ludwig Berger

Wir sitzen in der Dunkelheit. Zwei Lautsprecherboxen zwinkern uns mit ihren kleinen grünen Lämpchen zu, als wollten sie uns sagen: Hört gut zu! Daten werden sie uns zuflüstern, Jahreszahlen und Ziffern. Eine Musik aus Zahlenreihen. Dabei wird die Poesie der ungeordneten Chronologie von Kirchenglocken begleitet. Eine Familiengeschichte flechtet sich dazwischen, immer wieder hört man Stimmen der Bergers, bei ihrem Familien-Musik-Abend oder beim ins Mikro-Sprechen.

Das Zuhören nimmt fast einen sakralen Charakter an, wir werden in das private Familiendrama eingeweiht. Zumindest können wir Zeugen sein bei einer sonst eher einsamen Beschäftigung – dem Erinnern. Was ist passiert an diesen Tagen, an diesen Orten? Ludwig Berger verleiht seiner Erinnerung mit bedrohlichen Schüssen einen leichten Krimi-Touch. Dabei bleibt die Frage nach dem Schicksal seiner Mutter ein großes Mysterium.

Die Arbeit lädt uns ein zum privaten Kennenlernen und verrät doch angenehm wenig. Besonders die privaten, klaren und sehr berührenden Momente wie Gitarrentöne oder zufällige Aufnahmeschnipsel beim Dialog zwischen Mutter und Sohn erreichen eine Intensität, der man an manchen Stellen sogar gerne mehr gelauscht hätte. Angenehm pur und ohne viel Schnick-Schnack lässt uns Berger mit unserem Gehör allein.

Ekaterina Kel

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